Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Deutenbach
"Am zweiten
Weihnachtsfeiertag 1887 trafen sich in der Kreiselmeierschen
Gastwirtschaft einige Männer, um den Gedanken, sich organisiert gegen die Macht
und Gewalt des Feuers zu wehren, in die Tat umzusetzen.
Die FFw Deutenbach wurde
gegründet. An diesem Tag wurde auch beschlossen, für den 22.01.1888 durch
"Circular" zur Wahl eines sogenannten "Directoriums"
einzuladen und zum Beitritt anzuregen, und so wurde eine Mitgliederzahl von 50
erreicht.
Am besagten 22. Januar 1888
erschienen dann auch 29 Männer, um unter dem Vorsitz von Wolfgang Dennhöfer u.a folgende
Führungsposten zu wählen: Vorstand (Georg Kreiselmeier) und Kommandant
(Wolfgang Dennhöfer) [...].
Die Tatsache, daß sich in dieser ersten Vorstandschaft jeweils ein Zug
und Rottenführer für Bertelsdorf und Eckershof befand, hat Ihren Grund darin, daß sich beide Ortschaften, die damals zur Gemeinde
Regelsbach gehörten, in Ermangelung einer eigenen Wehr der Deutenbacher Wehr
anschlossen, um von der Pflichtfeuerwehr Regelsbach befreit zu werden. Für das
bis 1921 selbständige Deutenbach bestand übrigens bis zum 1. Weltkrieg eine
Feuerwehrpflicht.
Finanziell gesegnet war die
FFw in ihren ersten Atemzügen nicht gerade, und so konnten erst nach und nach
dringend notwendige Geräte angeschafft werden: Am 21. April 1888 drei Hakenleitern,
am 10. Juni eine Steigerausrüstung und am 15. Juli desselben Jahres
Uniformröcke, die mit großer Begeisterung in Empfang genommen wurden. Auch die
Anschaffung eines Schlauchwagens wurde beschlossen. Eine Anstellleiter mit
Stützstangen konnte der Etat dann nicht mehr verkraften.
Dem Protokoll nach lockte die
erste Hauptübung am 19. August 1988 eine große Zuschauermenge an, und bereits
vier Wochen später - am 16. September 1888 - würdigte anläßlich
einer Inspektion durch den Königlichen Bezirkshauptmann, Herrn Regierungsrat
Weiß (Schwabach), und Kreisfeuerwehrvertreter, Herrn
W. Jegel (Wendelstein), letzterer die harte und
straffe Arbeit insofern, als er erklärte, daß die
Wehr die beste des Bezirks und die Ausrüstung vorbildlich ist.
Jenes Ereignis von damals war
ein ganz besonderer Höhepunkt in der Vereinsgeschichte. Ein Feuerwerk am
Vorabend leitete es ein und fast die ganze Gemeinde nahm teil.
Im äußerst sauber und stets
korrekt geführten Protokoll sind noch einige sehr erwähnenswerte Fakten verzeichnet.
Am 7. Mai 1893 wurde eine neue "Löschmaschine" bestellt, die der Wehr
am 27. August desselben Jahres unter großer Begeisterung übergeben werden
konnte.
1927 ist der Erwerb einer neuen
Schlauchhaspel zu verzeichnen. Nach der Eingemeindung Deutenbachs
war in den folgenden Jahren die Gemeinde Stein Aufwandsträger für Ausrüstungsgegenstände
und Bekleidung. 1943 konnten eine TS8 - Motorspritze und 1959 ein eigenes Löschfahrzeug
angeschafft werden, kleinlich zeigte sich die Gemeinde schon damals nie.
Leider konnten - durch die
Wirren der unheilvollen Geschichte Deutschlands bedingt - während des 1. Weltkrieges
und zwischen den Jahren 1936 und 1945 dem Protokoll keine Aufzeichnungen entnommen
werden.
Die am 15. Juni 1946 durch
die damalige Militärregierung erteilte Genehmigung zum Wiederaufbau der Ortsfeuerwehr
war grünes Licht für Männer, deren Verdienst es war, wieder Leute zu finden,
die sich für diesen guten Zweck zur Verfügung stellten. Hier war es vor allem
ein Mann, der 27 Jahre an der Spitze der FFw Deutenbach stand und dessen
unermüdlicher Einsatz für einen raschen Wiederaufbau mit der
Ehrenmitgliedschaft am 15. Januar 1955 belohnt wurde; es war Fritz Lämmermann.
Diese Ehre wurde vor ihm nur Wolfgang Dennhöfer, dem
Gründungsmitglied und damaligen 1. Kommandanten, zuteil.
Wie in jedem Verein und
Verband, so besaß auch in der FFw Deutenbach neben der dienstlichen Seite der gesellschaftliche
Teil einen hohen Stellenwert. Unzählige Festivitäten und Veranstaltungen
könnten hier im Verlauf der Geschichte der Wehr genannt werden. Anläßlich der 25-Jahrfeier am 14./15. Juni 1913 wurde ein
Vereinsbild enthüllt. Die Wehren Krottenbach, Gerasmühle, Weihersbuch,
Bertelsdorf und die Werksfeuerwehr der Firma A.W. Faber-Castell erwiesen den Deutenbachern ihre Reverenz.
Das 75jährige Jubiläum am
2./3. Juni 1962 ist [so manchem
"Alten"] noch in lebhafter Erinnerung. Der gute Draht zum
Petrus machte ein Bierzelt überflüssig und so bot der Adel'sche
Garten an der Regelsbacher Straße mit seinen
herrlichen Obstbäumen eine illustre und rustikale Kulisse für ein Fest, das in
allen Details gelungen war.
Neben den unzähligen
routinemäßigen Übungen und Unterrichtsabenden, dem Absolvieren von
Sanitätskursen, den Weiterbildungen an den Feuerwehrschulen in Regensburg und
Würzburg wurde man in der Feuerwehrgeschichte Deutenbachs
leider auch oft vom Ernstfall größerer und geringerer Art überrascht, der stets
einen unerbittlichen Beweis der Tüchtigkeit verlangt.
Von den wichtigsten
technischen Verbesserungen der Deutenbacher Wehr in der Nachkriegszeit ist der
einachsige Pulverlöscheranhänger mit 250kg Pulverinhalt zu nennen, der 1973
angeschafft werden konnte. Bereits ein Jahr später durfte man sich über drei
Atemschutzgeräte freuen, an welchen verschiedene Kameraden ausgebildet wurden.
Im Jahre 1980 konnte die Wehr
dann auch mit modernen Funkgeräten ausgerüstet werden.
Zum Zeitpunkt des Entwurfs der Chronik [zur Hundertjahrfeier] war die seit Jahren langersehnte Anschaffung zwar noch nicht da, wohl aber die Gewissheit, daß sie rechtzeitig zum 100. Geburtstag noch eintreffen würde und so kann die Freude nur erahnt werden, die beim ersten Anblick des neuen Löschfahrzeugs LF 8/II in den Gesichtern stehen wird. Der Grad der Freude wird in etwa einem Weihnachtsfest und einem Geburtstag zusammen entsprechen - und beides mit der Jubelzahl 100 multipliziert.
Nicht als übliche
Streicheleinheit an die Stadt Stein, sondern als ein aus einem ehrlichen Feuerwehrherzen
kommender Dank soll die Aussage empfunden werden, daß
die zuständigen Stellen im Rathaus bei diesen Anschaffungen immer großzügig
verfuhren und Wohlwollen zeigten.
Als am 25. September 1984 in
einer außerordentlichen Mitgliederversammlung der seit langem gehegte Wunsch
nach einer Fahne anläßlich der 100-Jahrfeier 1987 mit
nur zwei Gegenstimmen demokratisch abgesegnet wurde, gab es um ihre inhaltliche
Gestaltung kaum etwas zu diskutieren. Es konnten eigentlich nur drei von der
Geschichte Deutenbachs nicht mehr wegzudenkende
symbolträchtige Dinge sein: der Löselhof,
das 'Toglershaus'
und die Eiche. Und hier wiederum ist der Löselhof
ein äußerst wichtiger Bestandteil der historischen Substanz des Ortes, auf den
in der nachfolgenden Chronik näher und ausführlicher eingegangen werden soll [siehe auch
http://www.deutenbach.de].
Das Lesen in den Annalen war
es wert, Zeit zu investieren, und 100 Jahre in wenigen Zeilen und Seiten darzustellen,
kann nur als Versuch gewertet werden, Wesentliches von der Spreu zu trennen. Ob
er gelungen ist, mag der geneigte Leser entscheiden.
Verantwortlich für Gründung,
Aufbau und Weiterentwicklung der Deutenbacher Wehr bis zum heutigen Tag
zeichnen viele Kameraden, denen Dank gebührt, und in diesem Zusammenhang
scheint es geboten, all denen zu danken und allen deren zu gedenken, denen in
all den Jahren die letzte Ehre auf ihrem letzten Gang erwiesen werden mußte. So schmerzlich dieses Begleiten auch immer war, so
ist doch sicher: Ihr Einsatz in der Wehr - in welcher Form auch immer - war immer
geprägt von großer Verantwortung und hohem Pflichtbewußtsein.
Daran muß immer gedacht werden, wenn es gilt, eine
Wehr in die Hände der nächsten Generation zu legen."
Aus der Festschrift zum
100-jährigen Gründungsfest der Freiwilligen Feuerwehr Deutenbach